Der Zentralfriedhof bei Nacht – eine Führung zum Fürchten

Der Zentralfriedhof bei Nacht – eine Führung zum Fürchten


Die Nachtführungen auf dem Wiener Zentralfriedhof finden derzeit bereits in der zweiten Saison statt. Und die Nachfrage ist nach wie vor sensationell.

Schon öfter wurde ich während meiner Nachtführungen auf dem Wiener Zentralfriedhof gefragt, wie ich denn eigentlich auf die Idee gekommen bin, eine Führung Nachts auf einem Friedhof anzubieten. Dass die Wiener und Wienerinnen ein ganz besonderes Verhältnis zum Tod haben, weiß ich als Wienerin aus erster Hand. Ich selbst habe viele Stunden mit Spaziergängen auf Friedhöfen verbracht. Um die Inschriften auf Grabsteinen zu lesen, die oft eher geheimnisvoll und knapp sind und wenig Aufschluss geben über die Menschen, die an der Stelle bestattet wurden. Meistens stand ich mit meiner Mutter, mit der ich diese Leidenschaft für Friedhöfe teile, vor Gräbern und wir fragten uns: “Warum sind diese Menschen gestorben, woran sind sie gestorben, warum sind sie so jung gestorben, was ist passiert?!” Und vor allem: “Wer waren diese Menschen?” Oft hatten wir die spektakulärsten Theorien ohne es auch nur ansatzweise genau zu wissen.

Also, nicht ganz umsonst heißt, es “der Tod, das muss ein Wiener sein”! Unser Verhältnis zum Tod und zu Friedhöfen kann man fast schon als Liebesbeziehung beschreiben. Und das trifft auf jeden Fall auch auf mich zu. Zum Wiener Zentralfriedhof habe ich ein ganz besonderes Verhältnis. Mitglieder meiner Familie sind hier bestattet. Auch meine Großmutter, zu der ich ein besonderes Verhältnis hatte.

Viele Friedhöfe haben ein spezielles Ambiente. Und das nicht nur unter Tags, wie zum Beispiel der alte jüdische Teil auf dem Zentralfriedhof bei Tor 1. Nachts kommt die ganz besondere Stimmung auf dem Wiener Zentralfriedhof nochmals mehr zur Geltung. Die Idee als Fremdenführerin in Wien eine Nachtführung auf dem Zentralfriedhof anbieten zu wollen, lag mit meiner Liebe zu Friedhöfen fast auf der Hand. Das Projekt hat einst sehr klein mit vier geplanten Führungen begonnen. Aber wie gesagt, der Tod, das muss eben ein Wiener sein. Die vier Termine haben bei weitem nicht gereicht, um der Nachfrage gerecht zu werden. Eine Nachfrage, die bis heute anhält. Und mein ganz besonderer Dank gilt an dieser Stelle allen Menschen, die mich so tatkräftig bei der Umsetzung der Führungen unterstützen.

Der Umgang mit den Themen Tod und Sterben ist auch bei dieser Führung durchwegs pietätvoll. Auch wenn wir alle bei der Führung sehr viel Spaß haben und es auch viele Momente gibt, wo herzhaft gelacht werden darf, wird stets daran erinnert, was der Zentralfriedhof ist: es ist die letzte Ruhestätte von über 3. Mio. Menschen und diesem Ort wird der entsprechende Respekt entgegen gebracht.

Aber ja, manche Teilnehmer fürchten sich tatsächlich bei “der Führung zum Fürchten”. Allerdings ist es nicht der Ort, sondern es sind mehr die Geschichten, die zum Fürchten anregen. Das Kopfkino spielt uns da auch schon mal so manchen Streich, wenn da von Vampiren, Wiedergängern oder anderen unheimlichen und sagenhaften Kreaturen die Rede ist. Oder wenn erklärt wird, mit welchen Bräuchen und Ritualen man diese Wesen unschädlich gemacht hat. Wenn es dann auch noch hinter einem Grabstein raschelt, gefriert so manchen Teilnehmer der Führung das Blut in den Adern. So viel darf verraten werden: auch auf dem Wiener Zentralfriedhof hat es noch kein Toter aus eigener Kraft wieder aus seinem Grab geschafft. Aber warum manchmal auch auf dem Zentralfriedhof exhumiert wird, wie das funktioniert und welche unheimlichen Sachen man in so manchen Grab da schon gefunden hat, das wird bei der Nachtführung auf dem Zentralfriedhof natürlich ganz ausführlich erklärt.

Bei der Führung Nachts auf dem Zentralfriedhof erlebt man einen gewissen Nervenkitzel und erfährt gleichzeitig die interessantesten Geheimnisse des größten Friedhofs Österreichs. Wie zum Beispiel welche prominente Persönlichkeit ohne Kopf begraben ist und wessen Zahnprothese gestohlen wurde.

Und ob ich mich Nachts auf dem Friedhof fürchte?! Ja, aber nicht, wenn ich mit meinen lieben TeilnehmerInnen unterwegs bin. 😉

Wer dabei sein möchte, hat noch bis Ende März 2020 die Möglichkeit bei einer Nachtführung auf dem Wiener Zentralfriedhof mitzumachen, bevor wir mit dieser Tour in die Sommerpause gehen.

Alle Infos gibt es hier:
Der Zentralfriedhof bei Nacht

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