Halloween – Hallo Wien! Der Totenkult in Österreich

Halloween – Hallo Wien! Der Totenkult in Österreich


Schon Georg Kreisler hat es besungen. “Der Tod, das muss ein Wiener sein!” Denn die Wiener haben ein ganz besonderes Verhältnis zum Tod. Und zu Allerheiligen ist das Morbide in der Stadt ganz besonders spürbar.

Sowohl Halloween als auch Allerheiligen gehen auf das gleiche heidnische Brauchtum zurück. Es heißt, in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November wären die Tore vom Jenseits zum Diesseits am weitesten geöffnet und so mancher Geist würde sich in die Welt der Lebenden verirren. Während man sich in englischsprachigen Ländern gespenstisch verkleidet, um sich so vor bösen Geistern zu schützen, gedenkt man den Toten in Österreich in einer eher andächtigen Weise. Traditionell mit einem ausgedehnten Spaziergang über einen Friedhof und dem Anzünden einer Kerze an den Gräbern der verstorbenen Familienmitglieder. Wenn dann auf den Friedhöfen die vielen roten Lichter flackern, mutet das fast schon romantisch an. Ja, die Wiener und der Tod, haben fast schon eine Liebesbeziehung miteinander.

Es mangelt nicht an vielen schaurig-schönen Friedhöfen und Begräbnisstätten in Wien. Der größte Friedhof Österreichs ist der Wiener Zentralfriedhof. Er ist nicht nur die letzte Ruhestätte für zahlreiche Menschen, sondern bietet mit seinen Jugendstilbauten auch etwas für das Auge. Flächenmäßig wurde der Wiener Zentralfriedhof zwar schon längst vom Hamburger Friedhof als größter Friedhof Europas abgelöst. Doch die meisten “Einwohner” hat nach wie vor der Zentralfriedhof. In etwa 3 Mio. Menschen wurden bereits in dieser “Stadt der Toten” beerdigt. Im Schnitt werden hier pro Jahr etwa 20.000 Bestattungen durchgeführt.

Dem Tod werden in Wien Lieder gewidmet, dem Tod werden Denkmäler gebaut und am Ende aller Tage möchte der Wiener und die Wienerin “a schöne Leich” sein. So forderte es zumindest bereits Karl VI., Vater von Maria Theresia, am Totenbett. Wie pompös man den Tod im Kaiserreich zelebrierte, das kann man an den kunstvoll gefertigten Sarkophagi der Habsburger in der Kapuzinergruft bewundern. Ein ganz besonderes und zentrales Werk ist dabei der liebevoll gestaltete Doppelsarkophag von Maria Theresia und ihrem Gemahl Franz Stephan von Lothringen. Maria Theresia überwachte die Arbeiten daran höchstpersönlich und so ist das Ehepaar in aller Ewigkeit zueinander gewandt dargestellt. Und dennoch ist es in dem düsteren Gewölbe unter der Kapuzinerkirche ein wenig unheimlich und es gruselt mich doch jedes Mal, wenn ich mich ganz alleine in der Gruft befinde.

Und wer wirklich ein Faible für das Unheimliche hat, dem sei ein Besuch in der Gruft der Michaelerkirche empfohlen. Hier handelt es sich um den wohl morbidsten Ort ganz Wiens. Aufgrund der dort vorherrschenden Luftverhältnisse sind die Leichen auf natürliche Weise mumifiziert. Und da die Särge mitunter einen großen Spalt weit geöffnet sind, kann man den mumifizierten Damen und Herren direkt ins Antlitz blicken.

Wie sich der Totenkult und die Bestattungszeremonien in den vergangenen Jahrhunderten verändert haben, wird pietätvoll im Bestattungsmuseum direkt am Wiener Zentralfriedhof dargestellt. Nicht fehlen darf dabei natürlich eine ganz besondere Wiener Kuriosität: der wiederverwendbare josephinische Gemeindesarg, besser bekannt als Klappsarg. Und wie das Merchandising des Bestattungsmuseum in Wien beweist, darf über den Tod in Wien auch schon mal herzlich gelacht werden. T-Shirts mit Sprüchen wie “Friedhöfe Wien – Hier liegen Sie richtig”, oder USB-Sticks in Form von kleinen Särgen, machen das Unumgängliche etwas erträglicher.

Und wenn Sie mehr über die Beziehung der Wiener und Wienerinnen zum Tod erfahren möchten, empfehlen wir Ihnen unsere Tour in der Kapuzinergruft oder unsere Führung über den Zentralfriedhof.

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